Geschichte

Während des 16. Jahrhunderts verschleppten die Portugiesen Sklaven, hauptsächlich aus Westafrika, nach Brasilien. Über 42% der Sklaven, die über den Atlantischen Ozean kamen, landeten in Brasilien.

Die Schwarzen brachten ihre kulturellen Traditionen und Religionen nach Amerika bzw. die "Neue Welt". Die Mischung der afrikanischen Völker und ihrer Nachfahren in Brasilien während der Zeit der Unterdrückung in der Sklaverei war der Beginn der Capoeira.

Capoeira wurde von den Sklaven entwickelt um ihr Selbstbewusstsein zu stärken, ihre Kultur zu übermitteln und vorallem um das Leiden der Sklaverei aushalten zu können.
Tagsüber wurde der Kampf im dichten Wald (auch "Capoeira" genannt) und nachts in den Senzalas, den Unterkünften der Sklaven, in denen sie an den Händen angekettet waren, ausgeübt. Die Handfesseln erklären warum die Mehrzahl der Angriffe mit den Füßen ausgeführt werden.
Darüberhinaus wurde Capoeira in den Quilombos, in denen die geflohenen Sklaven lebten und die Freiheit hatten ihre Kultur zum Ausdruck zu bringen.

Es gibt Berichte von Historikern, dass Zumbi dos Palmares und seine befehligten Quilombos sich nur gegen die kolonialen Truppen verteidigen konnten, da sie hervorragende Capoeiristas waren. Trotz der, von den kolonialen Truppen verwendeten, Kriegswaffen und der weitaus geringeren Zahl der Verteidiger hielten sie mindestens 24 Attacken der Truppen mit bis zu 3.000 Soldaten, die von den "Capitães do mato" angeführt wurden, stand.
Es brauchte außerdem 18 große Attacken des Militärs auf das "Quilombo dos Palmares" um dieses zu Fall zu bringen. Portugiesische Soldaten berichten, dass es mehr als ein "dragão" (Bezeichnung für das Militär) benötigt um einen Quilombola (Bewohner der Quilombos) gefangen zu nehmen, da sich diese mit seltsamen Techniken aus Ginga und Angriffen mit Armen, Beinen und Kopf verteidigten. Viele Kommandanten sowie Gouverneure hielten das Besiegen der Quilombolas als viel schwieriger als das Besiegen der Holländer.

Es gibt Aufzeichnungen über die Praktiken der Capoeira aus dem 18. und 19. Jahrhundert in den Städten Salvador, Rio de Janeiro und Recife. Jedoch wurde Capoeira über viele Jahre als subversiv angesehen und daher verboten und strengstens unterdrückt. Durch diese Unterdrückung wurde Capoeira in Rio de Janeiro praktisch ausgelöscht. In Recife entwickelte sich zu dieser Zeit aus der Capoeira der Tanz Frevo.

Nach mehr als 400 Jahren Verbot und Verfolgung kommt Capoeira in der heutigen Zeit, mit artistischen, philosophischen, kulturellen und sozialen Inhalten an und entwickelt sich zu einer wichtigen Form des kulturellen Ausdrucks des brasilianischen Volkes.

Durch den afro-brasilianischen Ursprung und die Mischung von verschiedenen Kämpfen, Tänzen, Rhythmen und Musikinstrumenten der unterschiedlichen Völker ist Capoeira stark mit der brasilianischen Geschichte verbunden. Sie ist der Beitrag der Schwarzen, der Indianer und der Europäer innerhalb der brasilianischen Gesellschaft. Von der Sklaverei bis zum heutigen Tag zeigt die Geschichte der Capoeira viel Stärke und Anpassungsfähigkeit.

Heutzutage, stark und so geschätzt wie nie, ist dieser Ausdruck der Kultur, Frucht der Mischung der Rassen, so mysteriös wie das brasilianische Volk selbst. Sie widersteht immer noch diversen Schwierigkeiten und schreitet mit bestimmten Schritten in Richtung Zukunft.

"Capoeira ist eine Kunst, die viele Künste in eine einzigen vereint: Sie ist Arbeit, Kampf, Kunst, Tanz. Sie ist Poesie. All das hat seinen Moment, oder Capoeira ist das, was der Moment gerade fordert. Sie ist ein brasilianischer nationaler Kampf, eine Lebensphilosophie. Als Konsequenz begreift Capoeira das Leben auf eine andere Art und Weise: mit mehr Leichtigkeit und Geschick ("jogo de cintura"). Mit dieser Form schafft man es leichter seine Schwierigkeiten zu bewältigen und mit mehr Sachlichkeit seine Gefühle zu erleben."

- Mestre Camisa (Präsident von Abadá Capoeira)